Inselwandern mit einer fast Vierjährigen – Ein Trage-Urlaubs-Bericht

20. Dezember 2015:
Wir begeben uns zwecks familiärer Erholung und dem Entfliehen des Weihnachtsstresses auf eine Reise nach La Gomera .

Gomera ist eine der Kanarischen Inseln und hat seit dem letzten Drittel des letzten Jahrhunderts ihren Ruf als Aussteiger- und Hippie-Insel weg. Wir fühlen uns mit den Wanderschuhen, den Musikinstrumenten (Mundharmonika und Ukulele zwecks Weihnachtsliederinterpretation) und den Tragehilfen in der Reisetasche gerade alternativ genug und glauben daher, das richtige Reiseziel gewählt zu haben.

Unser Vorhaben: Ein bisschen Strand und viel Bewegung. Gomera ist klein, aber ein großer Teil der Insel ist als Nationalpark geschützt und sie bietet neben dem fast flächendeckend erhaltenen Urwald, wunderschönen Barrancos und einsamen Stränden eine große Anzahl schöner Wanderungen in fast allen Schwierigkeitsgraden und Längen.

Das Problem: Unsere Tochter ist mit knapp vier Jahren im wahrscheinlich unpraktischsten Alter für´s Wandern. Selbst laufen ist nur in Gesellschaft anderer Kinder überhaupt eine Option und selbst dann maximal für Strecken, die in meiner Welt höchstens als Spaziergang durchgehen.

Wir brauchen also in jedem Fall eine Tragehilfe. Die Entscheidung für eine Tragehilfe ohne Gestell fällt aufgrund des Packmaßes und des Eigengewichts der Kraxe. (Info siehe Artikel: Wandern und Tragen – Kraxe oder Babytrage? Ein Vergleich)

Schon am zweiten Urlaubstag löst die Tragehilfe das Problem des aufgrund der Reise und der Zeitverschiebung nachmittäglich müden und daher quengeligen Kindes. Für unseren Besuch im Tropischen Fruchtgarten Argaga machen wir einen Spaziergang von Vueltas aus und packen Aenna für den Weg über die Schotterstraße und den steilen Aufstieg vom Playa de Argaga in die Trage.

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Bis die Führung durch den Fruchtgarten und die damit verbundene Probierrunde von wunderbar geschmacksintensiven Avocado, Bananen und anderen Früchten beginnt, hat sich die Laune unserer Tochter durch das kleine Nickerchen merklich gebessert!

Barranco de Arure

Unsere erste richtige Wanderung führt uns am dritten Urlaubstag von El Guro im Valle Gran Rey zum Wasserfall im Barranco de Arure.

Die Wanderung ist kindertauglich-kurz mit etwas über zwei Stunden angelegt, verspricht zunächst schöne Ausblicke über das Valle Gran Rey und danach ein lohnendes Ziel (Wasserfall). Der Weg verläuft außerdem weitgehend im Bachbett, was das Gehen interessant und abwechslungsreich macht.

Aenna wandert eigenständig und motiviert steil hinauf durch das Künstlerdorf El Guro und hat Spaß daran, den im Wanderführer beschriebenen Weg durch den Ort zu finden. Wir orientieren uns wie beschrieben an dreieckigen Fenstern und grün-weißen Wegmarkierungen und lassen El Guro und auch den steilen Anstieg schnell hinter uns.

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Entlang eines Wasserrohres geht es am Hang zwischen Kakteen, Euphorbien, Agaven und Lavasteinen weiter in Richtung Bachbett des Barranco de Arure. In diesem verpassen wir zunächst vor lauter Begeisterung über das Klettern und Balancieren auf den rundgeschliffenen Steinen den Linksabzweig in Richtung Wasserfall und wandern fälschlicherweise das Barranco hinunter, anstatt hinauf. Ein freundlicher Gomero macht aber schnell auf das wegweisende Zeichen, ein stilisierer, auf die Steine gepinselter Wasserfall in gelber Farbe, aufmerksam. Dem Zeichen folgend sind wir bald wieder auf dem richtigen Weg und bleiben bis auf Weiteres im Bachbett.

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Aenna, inspiriert von den Wandermarkierungen, taucht ihren ausgefransten Stock immer wieder in das zwischen den Steinen auftauchende Rinnsal und pinselt ihre eigenen Markierungen mit Wasser auf die Steine. So kommen wir im Schatten der Bäume gut voran. Eine glitschige, hölzerne Leiter, die eine Steilstufe entschärft, meistern wir ohne Schwierigkeiten. Als wir rechter Hand ein Seil vom Felsen hängen sehen, glauben wir uns endlich an der Stelle zu sein, die im Wanderführer als „Klettern“ beschrieben ist. Selbst ab und zu kletternd draußen unterwegs, ist uns angesichts des herunterhängenden Seils klar: Dort müssen wir hoch! Als wir, mit Aenna in der Mitte, die vier Klettermeter im unteren dritten Grad gut geschafft haben, wird uns klar, dass oben, am Rande des Bachbetts, kein Weg weiterführt.
Die Seniorengruppe, die auf dem Weg durchs Bachbett knapp hinter uns war, quert unter uns über die glatten Steine und hält sich zur Sicherheit am Seil fest, an welchem wir gerade eben noch hochgeklettert sind. Als die Senioren außer Hörweite sind, gestehen wir uns unseren übermütigen Fehler ein und überlegen, wie wir wieder runter kommen.

Zum Glück ist es oberhalb des steilen, felsigen Bachbetts relativ eben und ich kann Aenna auf meinen Rücken klettern lassen und sie in die Trage nehmen. Gemeinsam seilen wir uns das kurze Stück ins Bachbett wieder ab.

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Für den kurzen Rest des Weges zum Wasserfall und auch für den Rückweg bleibt sie in der Trage und genießt die Wanderung jetzt mit Blick über meine bzw. Papas Schulter. Mit Aenna in der Trage können wir die im Wanderführer angegebene Zeit des Rückweges sogar unterbieten und so am Nachmittag noch einen Bootsausflug zu der „Orgelpfeifen“ oder „Los Organos“ genannten Felsformation im Norden der Insel machen.

La Fortaleza – Der Tafelberg

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Weithin sichtbar ragt la Fortaleza, der Tafelberg, in der Nähe von Chipude in die Höhe. Die markante Erhebung ist, wie die ganze Insel, vulkanischen Ursprungs. Der Tafelberg ist quasi der negativ-Abdruck eines Vulkanschlotes: Die im Innern des Vulkanschlotes erkaltende Lava bestand aus festerem Gestein als der umgebende Berg, welcher im Lauf der Jahre durch die Erosion abgetragen wurde. Übrig blieb der ausgeformte Schlot mit seinen steilen Wänden und dem flachen Tableau.

La Fortaleza verspricht einen spannenden, aber kurzen Anstieg mit kleiner Klettereinlage und schöne Aussicht, eingebettet in eine kurze Wanderung.

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Wir parken direkt unterhalb des weithin sichtbaren Berges in einer Parkbucht an der CV 17. Von dort geht es zunächst eine geschotterte Straße leicht nach oben, bevor der Pfad in Richtung Tafelberg nach rechts abbiegt. Am Fuß des eigentlichen Felsens stellen wir fest, dass der Anstieg durch neu angelegte „Treppenstufen“ entschärft ist. Wir finden das schade, hatten wir uns doch auf einen etwas anspruchsvolleren „schwarzen“ Abschnitt mit Klettereinlage gefreut. Die größte Schwierigkeit im Anstieg besteht nun darin, Aenna in der Trage davon abzuhalten, sich mit den Füßen links und rechts von der Wand wegzudrücken und mich nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen!

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Eine kurze, Grat-ähnliche Überschreitung auf das Dach der Fortaleza entschädigt uns nur ein bisschen für den entschärften Anstieg. Oben gehen wir auf dem angelegten Rundweg einmal ums Tableau und genießen die Aussicht am Gipfelkreuz, bevor wir uns wieder nach unten aufmachen.

El Drago und Barranco Hondo

Motiviert vom Erfolg unserer ersten Wanderung nehmen wir uns als nächstes Ziel den einzigen Drachenbaum der Insel in nennenswerter Größe vor. El Drago ist ca. 400 Jahre alt und steht im wunderschönen und Palmen-bewachsenen Barranco Hondo im südlichen Teil der Insel. Ausgehend von einem Parkplatz an der Straße (am Abzweig nach Imada an der CV 19 von Alajero) ist der Baum auf einem mit Natursteinen angelegten Weg talabwärts in 20 Minuten zu erreichen. Als wir losgehen ist es bereits früher Nachmittag, da es uns am Vormittag noch zu kalt und windig war und wir daher erstmal einen Abstecher nach Playa Santiago zum Tapas essen gemacht haben. Aenna gibt auf dem steilen, grob gepflasterten Weg nach unten schnell auf und darf auf meinen Rücken.

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Beim Drachenbaum angekommen machen wir eine kurze Photo-Pause, und beschließen dann, den Trampelpfad unterhalb des Baumes weiterzugehen, der uns ins Bachbett des Barrancos führt. Über große Felsbrocken geht es durch das wunderbar grüne, mit Palmen und Agaven bewachsene Tal weiter nach unten. Wir suchen mit Freude die wegweisenden Steinmännchen und bauen bisweilen den ein oder anderen umgefallenen Steinturm wieder auf. So ist der Weg durchs Bachbett zwar anstrengend, aber kurzweilig.

Das etwas diesige Wetter und die nachmittägliche Stimmung lassen das Tal fast verzaubert wirken. Seit wir El Drago hinter uns gelassen haben, sind wir auch keinem anderen Menschen mehr begegnet.

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Als wir dann keine Steinmännchen mehr finden und das Gekraxel über die Felsbrocken mit 15 kg auf dem Rücken für mich langsam anstrengend wird, überlege ich, ob wir vielleicht doch zu spät losgelaufen sein könnten. Aenna auf meinem Rücken nimmt meine Unsicherheit promt wahr und treibt uns entsprechend forsch an. Nur Minuten später kreuzt aber der Weitwanderweg GR 132 unseren Weg. Wir wenden uns aus dem Bachbett nach links und steigen auf dem gut angelegten Weg über Naturstein-Treppen anstrengend wieder auf nach Alajero. Als wir verschwitzt oben ankommen, müssen wir die Windjacken anziehen. Bei dieser Gelegenheit übergebe ich Aenna für den Rest des Weges an den Papa.

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Im spätnachmittäglichen Licht haben wir auf dem Weg zurück zum Auto vom oberen Rand des Tales einen wunderbaren Blick auf verzauberte, blau umnebelte Berge. Wir kommen genau rechtzeitig bei Einbruch der Dämmerung am Mietwagen an.

Vom Nationalpark-Infocenter nach Agulo mit Mirador de Abrante

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Unsere nächste Wanderung führt uns zwei Tage später in den Nord-Osten der Insel. Oberhalb von Agulo liegt der Mirador de Abrante, ein Aussichtspunkt mit spektakulärem gläsernem Steg, der über den Abgrund hinausragt und einen wunderbaren Blick auf die Nordküste Gomeras und auf das nahegelegene Teneriffa verspricht. Wir wollen die Wanderung von oben starten und das Highlight, den Mirador, kurz vor dem Ende der Tour erreichen.

Auf der schmalen, kurvenreichen Straße durch den Nationalpark fahren wir also zum Nationalpark-Informationszentrum bei Juego de Bolas. Von hier aus wollen wir über 500 Höhenmeter nach Agulo hinunterwandern und anschließend durch die Steilwand von Agulo, unterhalb des Mirador de Abrante, wieder aufsteigen. Aenna läuft eigenständig die ersten paar hundert Meter, kommt aber dann angesichts der Steilheit und stellenweise auch Ausgesetztheit des Abstieges in die Trage. Das Abkommen für heute lautet: Ich trage die Tochter runter, der Papa trägt sie wieder rauf :-)

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Für den Abstieg befinden wir uns wieder auf dem GR 132, dem um die gesamte Insel herumführenden Weitwanderweg, den wir schon von unserem Ausflug bei El Drago kennen. Auch hier ist der Vorzeige-Weg mit Natursteinen gepflastert und mit Mauern begrenzt. An manchen Stellen sind jedoch die bergseitigen Begrenzungen durch Steinschlag oder Erdrutsch eingestürzt und einmal sogar Teile des Weges weggebrochen. Das erhöht das Abenteuer-Gefühl und wir sind ganz froh, dass Aenna an dieser Stelle nicht selbst über das Geröll klettert.

Nach ca. 2 Stunden kontinuierlichem, recht steilem Abstieg ist Agulo erreicht. In Agulo gibt es einige Restaurants und Bars, die zum Teil auch von organisierten Bus-Ausflüglern angefahren werden. Wir entscheiden uns aber für eine eher unscheinbare Straßenbar und erfrischen uns mit Eis und Getränken. Anschließend bummeln wir langsam durch das hübsche Dorf, das aber außer der Kirche weiter nichts wirklich Sehens- oder Verweilenswertes zu bieten hat. Unser heutiges großes Ziel ist aber ohnehin der Mirador, der bereits von unten gut am Rande der 500m höheren Felskante zu sehen ist.

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Als wir vom Städtchen auf dem Pfad in Richtung Mirador in die Steilwand über Agulo einsteigen, sind wir froh, dass wir die Tour nicht andersherum angegangen sind. Der Aufstieg stellt sich als wesentlich steiler heraus als der bereits hinter uns liegende Abstieg – klar, führt der Weg doch durch die fast senkrechte, aus rötlichem Stein bestehende Wand von Agulo.

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Nach ungefähr zwei Drittel der Höhenmeter wird der Pfad aber wieder etwas flacher und weniger ausgesetzt. Verschwitzt kommen wir am Mirador de Abrante an, der uns mit seinem Restaurant im Innern zu einem Barraquito (Kaffeegetränk mit süßer, dickflüssiger Kondensmilch und Likör) verführt. Der Ausblick vom gläsernen Steg ist wirklich schön, der Tiefblick durch den gläsernen Boden leider aber schon durch die Kratzer der vielen Ausflügler-Schuhe getrübt.

Nach dem Kaffee geht es über rote, ausgewaschene Hohlwege zurück zum Nationalpark Informationszentrum. Diese letzte Etappe der Wanderung ist weder steil noch ausgesetzt, sodass Aenna doch noch ein Stück eigenständig gehen kann!

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Leider hat das Infocenter, als wir dort wieder ankommen, geschlossen, sodass wir am nächsten Tag noch einmal herfahren müssen, um uns im Museum über das traditionelle Leben auf Gomera zu informieren und uns bei der Nationalpark-Information noch mit weiteren Wandervorschlägen zu versorgen.

Runde durch den Zauberwald

Eigentlich wäre dieser Tag ein Strand- und Erholungstag geworden, da aber das Wetter morgens recht bewölkt aussieht und sogar ein paar Tropfen auf unseren Ferien-Balkon fallen, beschließen wir, zumindest den Vormittag mit einer kleinen Runde durch den märchenhaften Urwald im Nationalpark zu überbrücken.

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Wir starten am Parkplatz an der Straße GM 2 und sind bereits nach ein paar Metern mitten im neblig-zauberhaften, mit bemoosten Bäumen gesäumten Märchenwald. Es ist bewölkt und kalt und wirkt auf Aenna so unheimlich, dass sie den Zauberwald gleich in Hexenwald umtauft und auf meinen Rücken will. So erzähle ich ihr leise, während wir durch den fast unwirklichen Wald gehen, ein Märchen von sprechenden Bäumen und kleinen Elfen, die nachts im Mondlicht tanzen.

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Die kleine Runde durch den Wald dauert, weil Aenna partout nicht selbst im Hexenwald laufen will, nur etwas über eine Stunde.

Jedesmal aber, wenn wir an den folgenden Tagen wieder durch den Urwald am Startpunkt dieser Wanderung vorbeifahren, erinnert sie sich an meine Geschichte und erzählt vom Zauberwald und seinen märchenhaften Bewohnern.

Barranco de Guarimar

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Für die (Laut Wanderführer) spektakuläre Schluchtwanderung durchs Barranco de Guarimar verabreden wir uns mit Aennas viereinhalbjähriger Urlaubsbekanntschaft und seinen Eltern. Dadurch haben wir nun auch zwei Autos zur Verfügung und können so die Wanderung auf eine kindergerechte Länge kürzen. Während zwei von uns das Auto am Endpunkt der Wanderung in Targa parken, stärkt sich der Rest in der Bar in Imada mit Appletizer/Appetitoso, dem Kanarischen Pendant zu Apfelschorle, und einheimischer Banane.

Los geht es dann den Wegweisern und Wanderzeichen folgend durchs grün-bepalmte und Kakteenbewachsene Barranco in Richtung Süden. Schnell merken wir, was für eine unglaubliche Motivation von der Anwesenheit anderer Kinder ausgeht. Aenna läuft begeistert zusammen mit T. voraus, sucht das nächste Wanderzeichen und entdeckt Pflanzen und Tiere am Wegesrand. Der Weg ist geschottert und nicht zu steil und wir kommen in zügigem Kindertempo vorwärts. Die leeren Kindertragen baumeln noch nutzlos an unseren Rücken und es ist wunderbar Zeit für Unterhaltungen. Nach ca. 2 Stunden machen wir auf einem Plateau in der Sonne eine verdiente Pause und lassen uns von Schmetterlingen und Eidechsen verzaubern.

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Kurz danach beginnt der etwas schwierigere Teil der Tour. Früher stark ausgesetzt, heute mit Zaunpfählen und Seilen begrenzt, schlängelt sich der Weg an den Felsen auf der Talseite entlang. T. wird zur Sicherheit (und ein bisschen auch für die Motivation, denn jetzt wird es ja gefährlich-spannend) an seinen Papa angeseilt und Aenna muss in Ermangelung des entsprechenden Equipments fest an meiner Hand bleiben. So gehen wir eine weitere Stunde, bis die Erschöpfung Aenna immer wieder stolpern lässt, und ich sie auf meinen Rücken nötige. Anders als bei den vorhergehenden Wanderungen wehrt sie sich, und will lieber noch selbst weitergehen! T. hält etwas länger durch und schafft die Wanderung bis zu unserem niedrigsten Punkt, dem 5-Häuser-Dorf Guarimar, von welchem wir jetzt in Richtung Targa über die Talflanke wieder aufsteigen.

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Für den anstrengenden und steilen Anstieg übernehmen die Väter die Kinder in Kraxe und Trage und so steigen wir die ca. 500 Höhenmeter in zügigem Tempo auf. Im Fels kann man tolle Höhlen, die augenscheinlich aus Lava-Gas-Blasen entstanden sind, bewundern. Am Sattel angekommen schauen wir noch einmal zurück in das inzwischen schattig gewordene Barranco de Guarimar und gehen dann das verbleibende Stück zum geparkten Auto. Den letzten Rest Sonne des Tages genießen wir Mütter mit den Kindern auf der Terrasse des Restaurant an der Straße nach Alajero, während die Männer das zweite Auto aus Imada holen.

Alto Garajonay

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Der nächste Tag ist bereits der letzte Urlaubstag, andem wir ein Auto haben, sodass uns für die beiden Ziele, die wir gerne noch erwandert hätten, nur noch der eine Tag bleibt. Als erstes muss der höchste Punkt der Insel noch erwandert werden. Wir entscheiden uns für die kürzeste „Wanderung“ auf den Alto Garajonay, die vom Parkplatz an der Straße GM2 in 1,4 km zum Gipfel führt.

Nach anfänglichem Gezeter akzeptiert Aenna, dass wir für die kurze Strecke die Trage im Auto gelassen haben. Wir appellieren an ihren Stolz, schließlich ist sie am Tag zuvor viel weiter gewandert und hatte großen Spaß dabei! Als dann der Fußweg auf den Gipfel vom gepflasterten Fahrweg abweicht, wird auch das Gehen interessanter und wir kommen in kindgerechtem Wandertempo voran.

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Der Höchste Punkt der Insel liegt im Brandgebiet, in dem vor wenigen Jahren ein Waldbrand weite Flächen des Gomerischen Urwalds zerstört hat. Nach wie vor strecken kahle Bäume ihre verbrannten Äste in die Höhe, aber am Boden und bis Hüfthöhe hat sich die Vegetation schon wieder etwas erholt. Am Wegrand wachsen also bereits wieder grüne Büsche, kleine Bäume, Löwenzahn-ähnliche Gebilde und Blumen.

Das Gipfelplateau des Alto Garajonay ist eine eher langweilige, von Touristen überlaufene Plattform, von der aus man aber bei guter Sicht nicht nur den Teide auf Teneriffa, sondern auch die Inseln La Palma und El Hierro ausmachen kann. Nachdem wir den Rundblick gebührend gewürdigt haben entziehen wir uns den Gipfelschnaps verkostenden Reisegruppen und machen uns auf den Weg zurück zur Straße.

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Schmetterlinge, Bienen, Blumen und zwei Wanderstöcke machen den Rückweg interessant, und so hat Aenna am Ende einen kleinen, eigenständig erlaufenen „Gipfelerfolg“ zu verbuchen :-)

El Cedro

Unser zweites Ziel am letzten mobilen Tag ist das Restaurant La Vista, welches zum einzigen Campingplatz auf der Insel gehört, der sich in El Cedro befindet. Dort wollen wir gern die berühmte und inseltypische Brunnenkresse-Suppe zu Mittag essen.

Die spannende Wanderung, die ausgehend vom der Straße CV 14 durch einen 500m langen Wassertunnel ins Barranco del Cedro führt, müssen wir uns leider kneifen, da wir keine Taschenlampe dabei haben. Wir fahren also bis zum Abzweig der Calle El Cedro an der CV 14 und ein Stück die gepflasterte Straße hinunter. Wir parken oberhalb der Ferienanlage und gehen in ca. 45 Minuten entlang des Fahrwegs hinunter ins Tal. Hier können wir einen Blick in den dunklen und engen Wassertunnel werfen, den wir sicher im nächsten Urlaub durchqueren!

Auf der Terrasse des Restaurants hat man tatsächlich einen umwerfenden Blick in das Barranco hinunter. Von hier aus lohnt sich auch der Abstecher zum größten Wasserfall der Insel, El Chorro, der ein Stück unterhalb von La Vista fast 200 m in die Tiefe stürzt.

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Die Kressesuppe sowie die ebenfalls inseltypischen Kichererbsen, die wir im Restaurant probieren, sind prima und stärken uns für den Rückweg. Der Weg bergauf kommt uns dann doch überraschend lange und anstrengend vor, zumal wir wieder auf Aennas Freude am Wandern vertraut und die Trage im Auto gelassen haben. Die letzten Wandermeter des Urlaubs trage ich sie dann ohne Trage Huckepack.

Noch auf der Heimreise von Gomera zurück nach Nürnberg bekommt Aenna in München neue, richtige Wanderschuhe, und wir planen bereits den nächsten Outdoor-Urlaub!

Die Wanderungen:

  1. Barranco de Arure
  2. La Fortaleza – Der Tafelberg
  3. El Drago und Barranco Hondo
  4. Vom Nationalpark-Infocenter nach Agulo mit Mirador de Abrante
  5. Runde durch den Zauberwald
  6. Barranco de Guarimar
  7. Alto Garajonay
  8. El Cedro

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4 Gedanken zu „Inselwandern mit einer fast Vierjährigen – Ein Trage-Urlaubs-Bericht

  1. Tayo Nestel

    Liebe Aenna, gerne denke ich an die Zeit mit Dir auf La Gomera zurück, als wir, Chefin und Chef unsere Wandergruppe freudig und sicher in die Schlucht von Guarimar geführt haben. Sonnige Grüße, Dein Tayo☀️

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  2. Kathi

    Tausend Dank für den Bbericht.
    Wir wollen mit unserer 4 Jährigen auch bald wandern gehen und planen zudem einen USA Urlaub nächstes Jahr. Daher haben wir jetzt noch zu den Huckepack Babysize (für den Kleinen) und Medium (nächstes Jahr dann für den „Kleinen“) eine Toddlersize angeschafft. Eine Kraxe hatten wir erst angedacht, aber wegen der Größe und des Eigengewichts dann verworfen. Die gegenteiligen mMeinungen ala „dann könnt ihr halt nur noch kleinkindgerechte Touren machen“ bzw. „Dann muss sie da halt durch“ haben mich jetzt nicht so überzeugt. Der Wechsel zwischen selber laufen und ausruhen ist da schon besser. (und für usn tausend Mal bequemer als auf den Schultern, aua!)

    Eine Frage aus Interesse: Ist das eine Medium oder Toddlersize?

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    1. trageberatung.zweifuechse Artikelautor

      Hallo Kathi,
      wir haben die Huckepack Toddlersize und planen damit auch demnächst eine mehrtages-Hüttentour in den Alpen! Ich bin gespannt, wie wir mit Trage und Übernachtungsgepäck zurecht kommen!
      Euch wünsche ich viel Spaß beim Wandern und im Urlaub!!

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