Tragehilfen-Hack No. 2: Lös- und überkreuzbare Schulterträger

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Hack für: Fullbuckle-Tragen mit festgenähten Trägern (z.B. my.GO) oder Trägern, die an unerreichbaren Stellen zu lösen sind (z.B. Ergobaby)

Hilfmittel: 2 Paar Steckschnallen (Side-Release Buckles) in der Breite der Gurtbänder an den Schultergurten.

Werkzeug: Schere, Feuerzeug, Nähmaschine.

Eine Tragehilfe sollte so flexibel und anpassbar wie möglich sein.
So, dass jeder Tragende für sich und die gerade aktuelle Trageweise die beste, bequemste Einstellung finden kann. Viele Tragehilfen haben daher Schulterträger, die lösbar (mit einer Schnalle) am Hüftgurt oder/und Panel angebracht sind, und dadurch sowohl überkreuz als auch parallel anzubringen sind.

Das Überkreuzen der Schultergurte hat vor allem beim vorne-Tragen große Vorteile:
1. Man kann sich das Schließen des Verbindungsgurtes im Nacken (Brustgurt) sparen
2. Die Last ist besser über den gesamten Rücken verteilt (nicht nur im Schulterbereich)
3. Das Gefühl, die Träger würden von der Schulter rutschen, ist vermindert.
4. Der Winkel, in dem die Schulterträger am Kopf des Kindes vorbei und über die Schultern verlaufen, verändert sich. Dadurch kann die Trage bequemer werden und manchmal hat das Baby einen besseren Seitenhalt.

 Das Problem:
Bei Tragen mit fest vernähten Schultergurten ist das Überkreuzen nicht möglich.
Bei Tragen mit Trägern, die direkt am Ende des gepolsterten Schultergurtes lösbar sind (z.B. Ergobaby), muss man schon ein Schlangenmensch sein, um die Trage mit überkreuzten Trägern anzulegen und bestenfalls zeitgleich noch das Baby hineinzubekommen.

Achtung:
Dieser Hack verändert Deine Tragehilfe. Sie verlässt damit die Garantie des Herstellers und hat keine Normprüfung mehr. Die Veränderungen an Deiner Tragehilfe führst Du auf eigene Verantwortung durch. Die untenstehende Anleitung ist nur ein Vorschlag; ich übernehme keine Haftung.

 Lösung: DIY am Beispiel einer Ergobaby Trage:

Schritt 1:
Miss die Breite des Schultergurt-Gurtbandes. Meistens sind es 25 mm, können im Einzelfall aber auch mal 20mm oder auch 30mm sein.

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Bestelle Dir 2 Pärchen Steckschnallen (Side-Releas Buckles) in der entsprechenden Breite, für mein 25mm Gurtband z.B. diese hier: http://www.extremtextil.de/catalog/Blitzverschlu%DF-zum-einseitigen-F%E4deln-25mm::190.html

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Einseitig fädelbare (also einseitig verstellbare) Schnallen sind ausreichend. Du kannst aber auch beidseitig fädelbare/verstellbare Schnallen nehmen, dann hast Du später noch eine Möglichkeit zusätzlich zum straffen der Gurte (das kann aber schnell unübersichtlich werden!). Kosten: ca. 0,90€ pro Paar (Männchen + Weibchen)
Achte darauf, dass du zwei gleiche Paare bestellst, schließlich sollen die Träger gerade UND überkreuz passen :-)

Schritt 2:
Wenn Du die Schnallen hast, dann prüfe zunächst, ob die neuen Schnallen zum Gurtband der Schulterträger passen. Dafür kannst Du bei manchen Tragen das lose Ende des Gurtbandes durch die neuen Schnallen fädeln und prüfen, ob es durchpasst, die richtige Breite hat und ausreichend klemmt. Wenn das nicht geht, weil wie bei meinem Muster hier das Ende so dick vernäht ist, dass es nicht durch die Schnalle passt, vergleiche einfach die Schlitzbreite mit der Breite des Gurtbandes.
Schritt 3:
Wenn Du Dir sicher bist, dass das Gurtband zu den Schnallen passt, schneide die Schulterträger am Gurtband in ca. 22 cm Distanz vom Panel auseinander. Versiegle die Schnittkante der Gurtband-Enden mit dem Feuerzeug, oder, falls das Gurtband aus Baumwolle ist und daher nicht schmilzt, mit der Nähmaschine.

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Schritt 4:
Fädle die neuen Schnallen in die Hälften des zerschnittenen Gurtbands ein. Dabei ist das Männchen (verstellbarer Teil) am Panel, das Weibchen (nicht verstellbarer Teil) am Schulterträger-Ende einzufädeln.

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Achte unbedingt darauf, dass du die Schnalle richtigherum einfädelst und das Gurtband richtig durch die Verstellung führst.

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Schritt 5:
Vernähe jetzt die noch offenen Enden des Gurtbandes!
Verstellbare Hälfte:
Lege das Ende am Besten zweimal um und setzt mit der Nähmaschine einen (oder zwei) Riegel. Wenn Deine Maschine keine Riegel-Einstellung hat, kannst Du mindestens dreimal quer über das Gurtband hin und her nähen. Die Naht darf nicht aufgehen und das Gurtband darf nicht mehr durch die Schnalle durchrutschen.

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Nicht verstellbare Hälfte: Falte das Ende des Gurtbandes knapp hinter der Schnalle einmal um und nähe es zusammen zu einer Schlaufe. Setze auch hier mit der Nähmaschine einen (oder zwei) Riegel. (indem Du mindestens 3x hin und her nähst). Die Naht darf nicht mehr aufgehen!

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Wenn Du das auf beiden Seiten, also an beiden Schulterträgern, gemacht hast, ist die Tragehilfe so modifiziert, dass Du die Träger gut überkreuzen und die Trage im Manduca-Stil anlegen kannst!

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Achtung:
Bitte führe diesen Hack nur mit sicheren und passenden Schnallen durch (z.B. von Duraflex, ITW, Woojin, Nifco). Gute, Outdoor-getestete Schnallen bekommst Du hier: http://www.extremtextil.de/catalog/Zubeh%C3%B6r/Schnallen:::23_24.html?XTCsid=554b254ef5d645b74241cc74f153ade6

Bitte führe diesen Hack nicht durch, wenn Dir die Schulterträger ohnehin schon knapp oder zu kurz sind. Es geht ein bisschen von der Länge der Träger verloren!

Führe diesen Hack nicht durch, wenn die Schulterträger zu sehr ergonomisch gebogen sind. Dann sind sie zum Überkreuzen nicht so gut geeignet.

Bitte führe diesen Hack nur durch, wenn Du mit einer Nähmaschine einen sicheren Riegel setzen kannst. Von Hand kann das Gurtband nicht sicher umgenäht/fixiert werden.

Bitte führe diesen Hack nur durch, wenn Du (z.B. mit einem Feuerzeug) das abgeschnittene Ende des Gurtbandes versiegeln kannst. Tust Du das nicht, wird sich das Gurtband aufdröseln!

Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du die Veränderung bestimmt auch bei einer professionellen Näherin (die sich vielleicht mit Tragehilfen oder Rucksäcken schon auskennt) in Auftrag geben!

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